Locked Shields ist die weltweit grösste und komplexeste internationale «Live-Fire»-Übung zur Cyberabwehr, die seit 2010 jährlich vom NATO-Kompetenzzentrum für kooperative Cyberabwehr (CCDCOE) veranstaltet wird. Live Fire bedeutet, dass die Teilnehmenden in Echtzeit Cyberangriffe erkennen und abwehren müssen.
Rang 2 bei «Locked Shields» mit Â̲èÖ±²¥ im multinationalen Team
Bei der weltweit grössten Cyberverteidigungsübung «Locked Shields 26» laufen Angriffe in Echtzeit. Mit dabei war auch Â̲èÖ±²¥. Als Teil eines multinationalen Blue Teams musste es demokratische Wahlen sicherstellen und Angriffe auf kritische Infrastrukturen abwehren. Mit Erfolg: Das Team erreichte den starken zweiten Platz und Rang eins in der Kommunikation. Was dahintersteckt zeigt ein Blick hinter die Kulissen.

In Kürze:
- Â̲èÖ±²¥ nahm als Teil eines multinationalen Teams an der weltweit grössten und komplexesten Cyberverteidigungsübung «Locked Shields 2026» teil.
- Das Blue Team musste eine ungestörte Durchführung demokratischer Wahlen ermöglichen und Angriffe auf das Wahlsystem sowie auf kritische Infrastrukturen in Echtzeit abwehren.
- Neben der technischen Expertise waren Kommunikation, Priorisierung und Zusammenarbeiten erfolgsentscheidend.
- Von 16 Blue Teams erreichte das Team mit Â̲èÖ±²¥ den zweiten Platz.
- Incident Response ist immense Übungssache. Deshalb ist kontinuierliches Training auf technischer und menschlicher Ebene so wichtig.
Die Stiftung Â̲èÖ±²¥ hat die wichtige Aufgabe, den sicheren Betrieb von kritischen Infrastrukturen und digitalen Umgebungen für Lehre und Forschung zu gewährleisten. Dabei ist ein Blick über die Landesgrenzen hinaus besonders wichtig. Internationale Übungen wie Locked Shields liefern wertvolle Erkenntnisse für die eigene Sicherheitsarbeit.
Vom 20. bis 24. April 2026 nahm die Schweizer Armee an der weltweit grössten Cyberverteidigungsübung teil. Gemeinsam mit Deutschland, Österreich und Luxemburg bildete sie ein multinationales Team. Zu diesem Blue Team BT01 gehörten auch mehrere Fachleute des Security Kompetenzzentrums von Â̲èÖ±²¥.
Im Interview gewährt Daniela Thurnher, Cybersecurity Engineer und Teilnehmerin von Â̲èÖ±²¥, einen Blick hinter die Kulissen.
Daniela, erkläre uns kurz, was «Locked Shields» genau ist?
Locked Shields ist die weltgrösste Übung, die es militärischen und zivilen Akteuren ermöglicht, sich gemeinsam auf den Ernstfall eines grossflächigen Cyberangriffs auf kritische Infrastrukturen vorzubereiten. In der heutigen geopolitischen Lage ist es unerlässlich, dass wir uns bestmöglich dafür wappnen. Locked Shields schafft ein realistisches Umfeld, in dem sowohl die bestehenden Prozesse als auch die Fähigkeiten eines jeden Teilnehmenden im stressreichen Umfeld eines solchen Cyberincidents auf die Probe gestellt werden. Aufgrund der sich ständig verändernden Bedrohungslage, ist es essenziell, dass wir unsere Cyberresilienz kontinuierlich testen und verbessern. Die Übung wird dementsprechend regelmässig angepasst und erweitert, um den neuen Herausforderungen in der IT-Sicherheit gerecht zu werden.
Wie kam es denn dazu, dass auch Fachpersonen von Â̲èÖ±²¥ daran teilnehmen konnten?
Als Betreiberorganisation mehrerer kritischer Infrastrukturen tragen wir grosse Verantwortung, im Falle eines nationalen oder gar internationalen Cyberangriffs, unsere Systeme und Kunden ausreichend und professionell zu schützen. Übungen wie Locked Shields bieten uns die Möglichkeit, unsere Fähigkeiten in den Bereichen Incident Response und Security Operations auf dem neuesten Stand zu halten und uns kontinuierlich zu verbessern. Wir sind dankbar, die Möglichkeit erhalten zu haben, an solch einer grossen und wichtigen Übung mitzuwirken, und schätzen den gemeinsamen Austausch mit anderen Organisationen und der Armee.
Wie muss man sich das Setup und den Ablauf einer solchen Übung vorstellen?
Zusammen mit Österreich, Deutschland und Luxemburg nahmen wir als sogenanntes «Blue Team» an der Übung teil. Wir trugen gemeinsam die Verantwortung für das fiktive Land «Berylia» und verteidigten dessen Infrastruktur und seine Bevölkerung vor Angriffen feindlicher Kräfte, simuliert durch das sogenannte «Red Team». Im Zentrum stand der Konflikt mit dem Nachbarland «Crimsonia», der bereits mehrere Jahre anhält und sich auch in diesem Jahr wieder zuspitzte. Das Szenario war sehr vielschichtig aufgebaut. Wir mussten Konflikte technischer und strategischer Natur bewältigen sowie Aufgaben in den Bereichen der Medienkommunikation und des nationalen und internationalen Rechts übernehmen.
Über 40 Nationen schlossen sich in diesem Jahr in 16 Blue Teams zusammen, um sich der Herausforderung zu stellen. Während jedes Team seine eigene Infrastruktur verteidigte, förderte der Aufbau der Übung auch stark die Kollaboration zwischen den Teams.
Welches Szenario habt ihr geübt?
In diesem Jahr standen die elektronischen Wahlen in Berylia im Mittelpunkt. Wir trugen die Verantwortung, eine ungestörte Durchführung der demokratischen Wahlen zu ermöglichen und ihre Integrität zu sichern. Neben Angriffen auf das Wahlsystem, verteidigten wir auch verschiedenste Attacken auf kritische Infrastrukturen wie zum Beispiel das Stromnetz, die Wasseraufbereitung und die Luftverteidigung. Hierbei mussten wir immer den Balanceakt zwischen Verfügbarkeit und Sicherheit der Systeme, sowie dem Schutz der Bevölkerung meistern.
Was waren aus deiner Sicht die kritischen Punkte, um aus einem solchen Szenario das Beste herauszuholen?
Abgesehen von der technischen Expertise, sind meiner Meinung nach besonders die folgenden Punkte essenziell: kommunizieren, priorisieren und kollaborieren.
In unserer Tech-Community werden «Soft Skills» leider oft noch unterschätzt. Dabei ist es unerlässlich, technische Probleme und Befunde verständlich kommunizieren zu können und den Umgang miteinander – besonders in Stresssituationen – zu meistern. Zudem laufen gerade in grossen Cybervorfällen oft viele Dinge zur gleichen Zeit schief, und man hat nur begrenzte Mittel, um sich ihnen zu widmen. In solchen Situationen ist es wichtig, schnell und überlegt zu priorisieren, um Ressourcen effektiv einzusetzen.
Der dritte Punkt steht wiederum ganz im Zeichen zwischenmenschlicher Fähigkeiten. In einer Ausnahmesituation, wie wir sie in Locked Shields trainierten, sitzen alle im selben Boot. Das heisst: Sich gegenseitig zu helfen und Hilfe anzunehmen, ist das A und O. Es bleibt kein Platz für Eitelkeit oder Einzelkämpfer-Mentalität, denn gute Zusammenarbeit ist oft erfolgsentscheidend.

Wie realitätsnah ist eine solche Übung?
Das simulierte Szenario ist mittlerweile leider äusserst realistisch, wenn auch zum Glück noch nicht in diesem Ausmass. Die digitale Kriegsführung gewinnt immer mehr an Bedeutung: Hybride Angriffe auf kritische Infrastrukturen und demokratische Wahlen beobachten wir bereits heute vermehrt. Auch die eskalierende geopolitische Lage, die in der Übung abgebildet wurde, spiegelt stark die Herausforderungen der heutigen Zeit wider.
Welche Fachrollen von Â̲èÖ±²¥ waren an der Übung beteiligt und welche Rollen übernahmen diese im Blue Team?
Von Â̲èÖ±²¥ nahm eine gemischte Delegation aus dem Â̲èÖ±²¥ CERT (Computer Emergency Response Team) und dem Â̲èÖ±²¥ Community SOC (Security Operations Centre) teil. Angepasst an unsere täglichen Verantwortlichkeiten, wurden wir in verschiedensten Bereichen eingesetzt. Als Incident Responders, Analysten, und in strategischen Führungspositionen leisteten wir einen wichtigen Beitrag zur Verteidigung von Berylia und konnten unsere technischen und zwischenmenschlichen Fähigkeiten ausbauen und vertiefen.
Euer Blue Team hat schliesslich den hervorragenden zweiten Platz erreicht. Das Team innerhalb der Übung zur strategischen Kommunikation erzielte sogar Platz 1, herzliche Gratulation. Kannst du uns verraten, was ihr besser gemacht habt als andere Teams?
Auf die genauen Stärken und Schwächen unseres und anderer Teams kann ich nicht eingehen. Details zur Performance der verschiedenen Teams können von feindlichen Kräften verwendet werden, um potenzielle Schwächen einzelner Länder auszunutzen. Dies ist auch einer der Gründe, weshalb nur die drei besten Teams öffentlich verkündet werden.
Was habt ihr für Â̲èÖ±²¥ gelernt, und was ist auf die Hochschulen übertragbar?
Incident Response ist eine immense Übungssache. Gerade deshalb ist kontinuierliches Training auf technischer und menschlicher Ebene so wichtig. Locked Shields schafft es, diese zwei Aspekte zu vereinen, indem sie die Teilnehmenden auf allen Ebenen einer Krise fordert. Zwar wird ein Szenario geübt, das eher auf die Armee ausgerichtet ist, aber ein Grossteil der Prozesse und Erkenntnisse kann direkt auf generelle IT-Krisen übertragen werden. Wir konnten sehr viel mitnehmen, das wir in unserer täglichen Arbeit mit unseren Kunden des Â̲èÖ±²¥ Community SOC und Â̲èÖ±²¥ CERT anwenden können. Übungen wie Locked Shields verbessern die IT-Security-Expertise von Â̲èÖ±²¥ nachhaltig – und somit auch direkt jene unserer Community.
Neben den fachlichen Erfahrungen konnten wir viele neue Kontakte in der Schweiz sowie in Deutschland, Österreich und Luxemburg knüpfen. Besonders in der heutigen Bedrohungslage ist ein kontinuierlicher Austausch in der IT-Security-Community äusserst wichtig, da Angreifer oft dieselben oder ähnliche Strategien auf verschiedene Institutionen oder Länder anwenden. Ein aktives Netzwerk ermöglicht eine schnelle und effektive Reaktion über Institutions- und Landesgrenzen hinweg.
Welches ist das wichtigste Learning aus der Übung, das jede Institution umsetzen kann, um ihre Cyberresilienz zu stärken?
Während Locked Shields wurde einmal mehr deutlich, wie wichtig die Kollaboration über Landes- und Teamgrenzen hinweg ist. Dies trifft auch auf den Schweizer Bildungs- und Forschungsraum zu. Der Zusammenhalt und der regelmässige Austausch über Institutionsgrenzen hinweg sind starke – wenn nicht die stärksten – Mittel in der Verteidigung gegen Cyberangriffe. Es braucht Vertrauen und Zeit, um mit anderen über die eigenen Erfahrungen und Herausforderungen im IT-Security-Bereich zu sprechen. Doch der Mehrwert für die ganze Community steigt mit jedem präsentierten Erfahrungsbericht, mit jedem geteilten IoC (Indicator of Compromise) und mit jeder kritisch gestellten Frage. Deswegen stehen für mich sowohl auf internationaler Ebene als auch für unsere Community die Zusammenarbeit und der regelmässige Austausch an erster Stelle.
Was ist dein persönliches Learning aus der Übung?
Um ganz ehrlich zu sein, war ich zu Beginn noch ein wenig eingeschüchtert. Ich wusste nicht viel über den Ablauf der Übung oder über meine internationalen Teamkollegen und -kolleginnen. Aber sobald man ankommt, das ganze Team kennenlernt und das Training beginnt, vergisst man die anfänglichen Zweifel.
Es hat wirklich viel Spass gemacht, sich in solch einem komplexen Umfeld zu behaupten und so viele neue Eindrücke zu gewinnen. Die Lernkurve bei dieser Übung war steil, und ich freue mich darauf, mein neu erworbenes Wissen im Arbeitsalltag anwenden zu können. Zudem hat die Teilnahme mein Vertrauen in meine Fähigkeiten gestärkt und mir viel für meinen weiteren Weg in der IT-Sicherheit mitgegeben.
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Medienmitteilung des Bundes:
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